Einbruch in Schlussphase: HSG Konstanz „bitter enttäuscht“ über Niederlage gegen Lübeck

Sonntag, 06. Mai 2018 19:52 Uhr

Es soll einfach nicht sein für die HSG Konstanz. Im fünften Vergleich mit den Top Fünf der Liga hintereinander waren die Gastgeber wie so oft lange auf Augenhöhe mit dem VfL Lübeck-Schwartau, mussten sich nach einem Einbruch ab der 40. Minute jedoch noch deutlich mit 24:31 (12:13) dem starken Tabellenvierten beugen. Da Aue gegen Coburg daheim 19:28 verlor, beträgt der Rückstand auf die Nichtabstiegsränge vor den letzten vier Saisonspielen weiter fünf Punkte.

„Wir sind sehr enttäuscht“, meinte HSG-Cheftrainer Daniel Eblen nach einem Spiel, in dem lange nichts auf eine vorzeitige Entscheidung und einen deutlichen Vorteil für eines der Teams sprach. „Wir haben uns viel mehr vorgenommen, wussten, dass das ein sehr wichtiges Spiel für uns ist. Jetzt wird es natürlich schwierig.“ Die Achillesferse war einmal mehr die Defensive, in den vergangenen Jahren noch das Prunkstück der HSG. 996 Gegentore stehen schon auf dem Konto der Konstanzer, kein Team der 2. Bundesliga musste mehr hinnehmen. Einen schweren Stand gegen die geballte Rückraumpower der Gäste von der Ostseeküste hatten so auch die Torhüter der HSG. Nur fünf Paraden konnten Konstantin Poltrum und Maximilian Wolf beisteuern, in einer Partie, die jedoch auch keine für die Schlussmänner war.

Auch Dennis Klockmann, immerhin zweifacher Deutscher Meister und Champions-League-Sieger mit dem THW Kiel und in der letzten Spielzeit zum besten Keeper der Liga gewählt, hatte lange große Probleme. Denn die Gelb-Blauen vom Bodensee lieferten dem Favoriten aus Schleswig-Holstein insbesondere in den ersten 30 Minuten einen sehenswerten Schlagabtausch in einem guten Handballspiel. Paul Kaletsch besorgte das 2:0 und erzielte später auch das 5:4 (11.). Die HSG, die ohne den verletzten Leistungsträger Mathias Riedel auskommen musste, bestach durch große Variabilität und schaffte es immer wieder mit viel Tempo Lücken in der zweitbesten Defensive der Liga aufzureißen. Im Positionsangriff war jedoch schon hier die körperliche Überlegenheit des massiven 6:0-Abwehrriegels des VfL zu erkennen.

„Wir hatten den Lübecker Rückraum gut im Griff“, erklärte Eblen zur ersten Hälfte. „In der zweiten Halbzeit hat das gefehlt. So hat es immer wieder aus der Distanz in unserem Tor eingeschlagen.“ Doch zuvor kam seine Mannschaft eindrucksvoll nach einem 7:10-Rückstand zurück. Samuel Wendel, Maximilian Schwarz und schließlich Tom Wolf drehten die Partie zum 11:10 – und die Schänzlehölle kochte wieder. „Es ist immer ein Erlebnis hier zu spielen“, lobte später auch Gästetrainer Torge Greve die selbst in der Schlussphase herrschende Gänsehautatmosphäre. „Die stimmungsvolle Kulisse und der Druck waren da. Aber wir haben ein gutes Spiel gemacht, waren kompakt in der Abwehr und haben den Ball vorne schnell laufen lassen.“

Konstanz gelang nach der Pause dennoch mehrmals der Ausgleich und war bis zum 18:19 nach 40 Minuten auf Augenhöhe mit dem großen Favoriten. Dann jedoch traf Konstanz fast acht Minuten nicht mehr, Lübeck startete einen 5:0-Lauf zum 24:18 und hatte das lange umkämpfte Duell so fast schon vorzeitig entschieden. Eblen: „Einfache Fehler im Angriff haben zu Gegenstoßtoren geführt.“ Die Enttäuschung stand den HSG-Akteuren nach dem Schlusspfiff ins Gesicht geschrieben. Paul Kaletsch, der alles aus sich herausgeholt hatte und später kaum mehr laufen konnte, zog ein vernichtendes Urteil. „Die zweite Halbzeit war eine Riesenkatastrophe“, so der 13-fache Torschütze.

Bemerkenswert war die Reaktion der Zuschauer, die ihre sichtlich geknickten Lieblinge nach einer bitteren Niederlage mit stehenden Ovationen verabschiedeten und versuchten, wieder aufzurichten. „Die Unterstützung war unglaublich, Gänsehaut“, bedankte sich Daniel Eblen. „Man bekommt immer wieder Komplimente von den Gästeteams für die Atmosphäre, die hier herrscht.“ Zweiter positiver Punkt waren, neben der Niederlage von Aue, die der HSG weiter eine kleine Chance auf den Klassenerhalt einräumt, die Einsätze der U23-Talente Samuel Wendel sowie Jonas und Samuel Löffler aus der Südbadenliga-Meisterschaft. Während Samuel Wendel sich in die Torschützenliste eintragen konnte, holte Samuel Löffler einen Siebenmeter heraus. Wirklich freuen konnte er sich über seinen Einsatz nach dem emotionalen Tiefschlag jedoch kaum. „Die Kulisse war grandios und ich bin um jede Einsatzminute froh“, erzählte der erst 19-Jährige. „Im Vordergrund steht jedoch die Mannschaft. Und da sind wir alle sehr traurig. Nach einer guten ersten Halbzeit hat uns das Tempo in der zweiten gefehlt.“ „Doppelt bitter“ nannte das das Talent, da man sich der Wichtigkeit der Punkte bewusst gewesen sei. Doch das Konstanzer Eigengewächs hat schon das HSG-Gen in sich aufgenommen und ist nicht bereit aufzugeben: „Es ist noch nicht vorbei. Wir müssen nach vorne sehen und jetzt Punkte holen.“

Zwar bieten die vier letzten Begegnungen gegen Hagen, Dresden, Essen und Dessau – nach zuletzt ausnahmslos Topmannschaften als Gegner – durchaus die Chance auf Punkte, die Hypothek und der Rucksack für die HSG wird jedoch immer schwerer, die verbleibenden Endspiele weniger. „Jeder weiß“, sagt Samuel Löffler, „dass wir es nun extrem schwer haben. Aber wir werden weiter alles versuchen, glauben an uns und werden bis zum allerletzten Spiel alles geben.“ Punkte holen und dann sehen was möglich ist, das ist der nach wie vor kämpferische Tenor der Konstanzer.

 

HSG Konstanz – VfL Lübeck-Schwartau 24:31 (12:13)
HSG Konstanz: Maximilian Wolf (1 Parade), Konstantin Poltrum (4 Paraden) (Tor); Fabian Schlaich (1), Tom Wolf (1), Michael Oehler, Paul Kaletsch (13/7), Felix Krüger (1), Fabian Maier-Hasselmann, Felix Gäßler, Tim Jud (1), Samuel Wendel (1), Chris Berchtenbreiter (2), Jonas Löffler, Maximilian Schwarz (3), Felix Klingler (1), Samuel Löffler.
Trainer: Daniel Eblen.
VfL Lübeck-Schwartau: Klockmann (9 Paraden) (1), Mallwitz (1 Parade/davon 1 Siebenmeter) (Tor); Glabisch (1), Lauenroth (5), Genda (5), Podpolinski, Akerman (1), Ranke (1), Schult (5), Damm (4/1), Köhler (2), Claasen (1), Schlichting, Bruhn, Metzner (5).
Trainer: Torge Greve.

Zuschauer: 1050 in der Schänze-Sporthalle Konstanz.

Schiedsrichter: Andreas Briese und Kim von der Beek.

Zeitstrafen: Konstanz 6 Min., Lübeck 4 Min.

Siebenmeter: 7/9 (Kaletsch scheitert an Mallwitz (47.) und am Pfosten (60.)) – 1/1

 

HSG Konstanz 2. Handball-Bundesliga

PM HSG Konstanz, Andreas Joas

Peter Pisa
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