Nach ausgeglichener erster Halbzeit: „Physischer Druck“ von Göppingen zu groß für HSG Konstanz

Peter Pisa

Knapp 40 Minuten durfte die HSG Konstanz gegen den ambitionierten Erstligisten Frisch Auf Göppingen in der ersten Runde des DHB-Pokals zumi ...

Knapp 40 Minuten durfte die HSG Konstanz gegen den ambitionierten Erstligisten Frisch Auf Göppingen in der ersten Runde des DHB-Pokals zumindest an der großen Sensation schnuppern, dann setzte sich die Klasse des EHF-Pokalsiegers von 2017 durch. „Der physische Druck wurde irgendwann zu groß“, kommentierte Cheftrainer Daniel Eblen die am Ende doch noch deutliche 23:34 (12:14)-Niederlage in Weilheim/Teck eine Woche vor dem Drittliga-Saisonstart am 25. August in Fürstenfeldbruck nach ausgeglichener (15:15/35.) und enger Partie (19:16/39.).

In der ersten Halbzeit jedoch war nichts von einem Zwei-Klassen-Unterschied zu sehen. Fabian Wiederstein besorgte die 1:0-Führung für die HSG Konstanz, Tim Jud legte zum 2:1 nach. Alles keine Zufallsprodukte, denn die Gäste vom Bodensee spielten mit Tim Jud, Paul Kaletsch und Felix Krüger im Rückraum einen erfrischenden, schnellen Handball. Damit konnte der massive, körperlich deutlich überlegene Abwehrriegel der Schwaben immer wieder erfolgreich geknackt werden. Der Ex-Göppinger Joschua Braun und Fabian Schlaich besorgten bald darauf sogar die 9:7-Führung. In doppelter Überzahl bot sich schließlich sogar die Chance, noch weiter davonzuziehen – doch Konstanz gelang sechs Minuten kein Tor mehr. Sechs Minuten, in denen Frisch Auf das Spiel wieder zum 10:9 gedreht hatte.

Kurz vor der Pause war die HSG aber in Person von Paul Kaletsch zur Stelle und drehte die abwechslungsreiche, dank der Gegenwehr der Konstanzer auch attraktiven Partie erneut – 12:11 für den Außenseiter vom Bodensee. Der klar tonangebende HSG-Fanblock mit großer Trommlergruppe war aus völlig aus dem Häuschen. Besonders stark präsentierte sich die Eblen-Equipe dabei in der Deckung und brachte Göppingen damit immer wieder in Verlegenheit. „Die Abwehrelistung war gut“, lobte Daniel Eblen, „und Simon Tölke war richtig stark. Dann zündet das eine das andere. Der Torwart gibt den Vordermännern Sicherheit, die aggressive Abwehr dem Torhüter. Solch eine Deckung wünsche ich mir auch für die Saison.“

Im Angriff mussten die Gelb-Blauen jedoch allmählich trotz Umstellung im Rückraum auf Tom Wolf, Maximilian Schwarz und Tim Keupp ihrem großen Aufwand im Angriff gegen den massiven Abwehrblock Tribut zollen. Insgesamt sechs technische Fehler wurden für die HSG notiert, einer für Göppingen. Die Folge: Neun Treffer über den Tempogenstoß für Göppingen, zwei für die junge Gastmannschaft. Dazu kamen zehn Siebenmeter für Göppingen, von denen Simon Tölke immerhin einen und Maximilian Wolf sogar zwei parieren konnte. Dennoch trugen auch die sieben Tore vom Strafwurfpunkt dazu bei, dass der Erstligist von 17:16 auf 22:16 stellte und nach knapp 44 Minuten die Vorentscheidung herbeigeführt hatte. In der Folge war bei beiden Mannschaften eine komplett andere Körpersprache als zuvor zu sehen. Von Göppingen schien eine große Last und großer Druck, den die HSG mit ihrem guten Spiel aufgebaut hatte, abzufallen, während Konstanz im Angriff „langsam die Ideen ausgingen“, so Eblen.

„Wir haben eine richtig gute erste Halbzeit gespielt“, befand der A-Lizenzinhaber. „In der zweiten war der physische Druck von Göppingen so groß, dass wir die Energie der ersten Hälfte in der Abwehr nicht mehr erreichen konnten.“ Starke Paraden von Primoz Prost im Tor von Frisch Auf und einige leichte Gegentore über den Gegenstoß schraubten das Endergebnis auf einen standesgemäßen 34:23-Sieg für den elffachen Deutschen Meister nach oben. „Die Qualität von Göppingen hat sich durchgesetzt. Hier über die volle Distanz mithalten zu können, ist die absolute Ausnahme.“ In der Literatur ist nachzulesen (z.B. Der perfekte Tipp von Dr. Andreas Heuser), dass 86 Prozent der resultierenden Tordifferenz beim Fussball durch Zufall bestimmt wird, während es im Handball nur 54 Prozent sind. Überraschungen sind dementsprechend bei der größeren Anzahl an Angriffen und Toren wesentlich seltener.

Eblen: „Wir haben dann sehen müssen, wie weit wir von einem guten Erstligisten weg sind und wie schnell es gegen einen solchen Gegner gehen kann. Dennoch können wir auch aus diesem Spiel wichtige Erkenntnisse und Lehren mitnehmen.“ Und wertvolle Erfahrungen für das im Pokalduell deutlich jünger aufgestellte Team. Im zweiten Halbfinale war Zweitligist HBW Balingen-Weilstetten um den sechsmal erfolgreichen Ex-Konstanzer Gregor Thomann mit 28:18 gegen Drittligist TSG Haßloch erfolgreich. Somit spielen Göppingen und Balingen am Sonntagabend in Weilheim den Achtelfinal-Teilnehmer des DHB-Pokals aus.

Für Konstanz liegt der Fokus nach dem als letztes Testspiel interpretierten Pokalauftritt klar auf dem Saisonstart am 25. August. „Wir müssen die Dinge, die wir gut gemacht haben sowie die erste Halbzeit mitnehmen und die Fehler in der zweiten analysieren. „Es war ein guter Test, in dem wir viele gute Ansätze gezeigt haben und unsere Schwächen nochmal aufgedeckt wurden“, meinte Maximilian Schwarz, bei dem die Vorfreude auf den Saisonauftakt schon groß ist. „Wir haben uns in den letzten Wochen Schritt für Schritt weiterentwickelt. Ich freue mich auf die Runde. Das Team hat richtig Lust auf die neue Herausforderung, das ist deutlich zu spüren.“

 

Frisch Auf Göppingen: Prost, Rebmann (Tor); Kneule (1), Ritterbach (3), Damgaard (1), Heymann (2), Bagersted, Peric (2), Sliskovic (2), Schiller (6/4), Rentschler (5), Schöngarth (5), Zelenovic (1), Kozina (6/3).
HSG Konstanz: Maximilian Wolf, Simon Tölke (Tor); Michel Stotz, Fabian Schlaich (1), Tom Wolf (1), Fabian Wiederstein (4), Paul Kaletsch (7/4), Felix Krüger (1), Fabian Maier-Hasselmann (2), Joschua Braun (1), Tim Jud (1), Tim Keupp (2), Samuel Wendel (1), Maximilian Schwarz (2), Samuel Löffler.
Zuschauer: 410 in Weilheim/Teck.
Schiedsrichter: Briese/Von der Beeck (Köln).

 

Die ersten Saisonspiele der HSG Konstanz in der 3. Liga, Saison 2018/19:
25. August, 19.30 Uhr: TuS Fürstenfeldbruck – HSG Konstanz
1. September, 20 Uhr: HSG Konstanz – HBW Balingen-Weilstetten II
9. September, 16.30 Uhr: TVS Baden-Baden – HSG Konstanz
15. September, 20 Uhr: HSG Konstanz – VfL Pfullingen
22. September, 20 Uhr: HSG Konstanz – TGS Pforzheim

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