„Gehen mit Mut da rein“: HSG Konstanz muss sich gegen ambitioniertes Lübecker Spitzenteam mit Abwehr-Bollwerk beweisen
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  • Quelle: PM HSG Konstanz, Andreas Joas
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  • Foto: Peter Pisa

„Gehen mit Mut da rein“: HSG Konstanz muss sich gegen ambitioniertes Lübecker Spitzenteam mit Abwehr-Bollwerk beweisen

Verrückte Zweite Liga: Der letzte Spieltag hat das ohnehin schon unberechenbare Bundesliga-Unterhaus gehörig durcheinander gewirbelt, sodass nun zwischen Rang neun und 17, dem ersten Abstiegsplatz, lediglich drei Punkte liegen. Alleine sechs Vereine sind mit 22 Zählern punktgleich. Eine dieser Mannschaften ist die HSG Konstanz, die am Samstag, 20 Uhr, den Tabellenfünften VfL Bad Schwartau in der „Schänzle-Hölle“ empfängt.

Die Niederlage bei der mit großen finanziellen Problemen kämpfenden HSG Nordhorn-Lingen am vergangenen Wochenende hat HSG-Cheftrainer Daniel Eblen in ihrer Höhe – wie alle Beteiligten – schon überrascht. „Natürlich kann man nicht davon ausgehen, dass wir dort gewinnen, aber mehr ausgerechnet haben wir uns schon“, erklärt der A-Lizenzinhaber. „Wir wollten einen Schritt nach vorne machen und haben das nicht geschafft.“ Trotzdem will er das Ergebnis (17:32) nicht überbewerten, denn schließlich habe jeder einzelne Akteur des akut von der Insolvenz bedrohten ehemaligen Europapokalsiegers buchstäblich um die eigene Existenz gespielt. Eblen: „Es passieren eben immer Dinge, die man nicht voraussehen kann. Der Gegner war dadurch natürlich bis in die Haarspitzen motiviert und fast 3000 Leute sind in die Halle gekommen, um ihn dabei zu unterstützen."

In der Trainingswoche hat er nun bewusst den Schwerpunkt weg von der Taktik hin zu Entscheidungstraining und Wert auf „einen schnellen Ball“ gelegt. Dazu richtete HSG-Mentaltrainer Tarek Amin, seines Zeichens ehemaliger Karate-Weltmeister, wichtige Worte an die junge Mannschaft. „Tarek hat daran erinnert, was wir schon alles geleistet haben“, erzählt Daniel Eblen, „es gibt deshalb auch gar keinen Grund schwarz zu sehen.“ Denn obwohl sein Team nach zuletzt drei Niederlagen auch gegen eines der Top-Teams der Liga erneut großer Außenseiter ist, so hatte auch Bad Schwartau in den letzten drei Partien kein Erfolgserlebnis zu feiern.

Mut dürfte der HSG Konstanz zudem der sehr gute, couragierte und am Ende auch belohnte Auftritt in der Hansehalle Lübeck geben. Um ein Haar wäre der HSG damals in der 216000 Einwohner zählenden Hansestadt ein Auswärtssieg gelungen, aber auch das 23:23-Remis bedeutete den ersten Punktverlust für die Schleswig-Holsteiner in eigener Halle. Mittlerweile lässt der VfL keine Zweifel daran aufkommen, wo es über kurz oder lang hingegen soll: in die 1. Bundesliga. Dazu wurde nicht nur ein neuer wirtschaftlicher Träger für die erste Mannschaft, die Handball Marketing Spielbetriebs GmbH & Co. KG, gegründet, sondern auch der Name des Teams wird geändert und soll ab der kommenden Spielzeit VfL Lübeck Schwartau lauten.

Bereits bis zur Auflösung der „SG VfL Bad Schwartau-Lübeck“ und dem Umzug als HSV Hamburg an die Elbe spielte man in der Bundesliga und gewann 2001 den DHB-Pokal. Nun soll möglichst bald wieder Erstliga-Handball in Lübeck gespielt werden. Schon in dieser Saison schnuppert der fast 900 Kilometer von der Ost- an den Bodensee reisende VfL Bad Schwartau an der Tabellenspitze und ist weiter in Schlagdistanz zu den Aufstiegsrängen.

Vor allem der Ausfall des bislang 92 Mal erfolgreichen Top-Torschützen Jan Schult wog gegen den Ligaprimus TuS N-Lübbecke vor Wochenfrist schwer. Wohl erst am 13. Mai kann der Rückraum-Shooter nach einem Mittelhandbruch wieder eingreifen. Für Daniel Eblen spielt der Ausfall des VfL-Toptorjägers keine Rolle: „Bad Schwartau verfügt über eine solche Dichte und breite im Kader, dass das nicht wirklich ins Gewicht fällt. Sie verfügen über drei Linkshänder im Rückraum und bei Verletzungen springt sofort der nächste Top-Mann ein.“ Zumal die Formkurve von Eigengewächs Tim Claasen weiter nach oben zeigt und sich unlängst auch der schwedische Shooter Rikard Akerman nach wochenlanger Verletzungspause wieder zurück meldete. Mit VfL-Coach Torge Greve absolvierte Daniel Eblen seine A-Lizenzausbildung und hebt dessen Arbeit hervor, der die Lübecker zu einer Spitzenmannschaft formte.

„Im Hinspiel wurde uns bewusst, dass, wenn alles zusammenpasst und alle zusammenarbeiten immer wieder etwas möglich ist“, so Eblen. „Es reichen aber schon ein, zwei kleine Sachen, die im Puzzle nicht hundertprozentig funktionieren und es wird sehr schwer.“ Deshalb gelte die volle Konzentration den eigenen Stärken. Beim Gegner muss vor allem ein Mittel gegen das mit nur 599 Toren erfolgreichste Abwehrbollwerk der Liga mit einem überragenden Schlussmann Dennis Klockmann gefunden werden. Gerade der Ex-Kieler stellt mit seiner großen Erfahrung und bislang 279 Paraden – zweitbeste Bilanz in Liga zwei – eine oft unüberwindbare Hürde dar. Für den Konstanzer Übungsleiter gilt aber „kein Bangemachen“, denn die HSG habe immer wieder gezeigt, dass „wir es, auch wenn es sehr schwer wird, hinbekommen können.“

„Wir gehen mit Mut da rein“, sagt der 42-Jährige entschlossen. „Nicht mit Übermut, aber mit viel Mut. Ich wünsche mir, dass wir in der Abwehr wieder zusammenstehen und wieder einmal in unsere Gegenstöße kommen.“ Nicht zuletzt hebt er die gerade jetzt besonders wichtige Unterstützung von der Tribüne hervor. „In Lingen haben wir zuletzt wieder gesehen, was das alles bewirken kann. Und wir in Konstanz können uns immer auf unsere treuen Fans verlassen.“ Wie die Zuschauer muss auch der HSG-Coach selbst nach einem schlechteren Spiel vor allem Geduld bewahren, obwohl, wie er zugibt, gerade dann die Versuchung groß sei, taktisch besonders intensiv einzugreifen. Aus seiner Erfahrung – seit Anfang 2004 ist er bereits Cheftrainer der ersten Mannschaft – weiß er jedoch, dass es vor allem darauf ankomme, Ruhe zu bewahren. „Man meint hier als Trainer die einzige Möglichkeit zu sehen, eingreifen zu können. Wenn man in diesem Bereich aber zu viel macht, besteht die große Gefahr, dass die Mannschaft in der Taktik ertrinkt und das Handballspielen vergisst.“ Deshalb dürfe man nicht zu ehrgeizig als Verantwortlicher an der Seitenlinie sein und „den Jungs Zeit lassen, zusammenzukommen und zusammenzuspielen.“

Beim Heimspiel gegen den VfL Bad Schwartau findet im Foyer der Schänzle-Sporthalle ein Ticket-Vorverkauf für den Bundesliga-Superball am 15. April statt. Nur im Vorverkauf gibt es die vergünstigen Eintrittskarten für 18 Euro bzw. 13 Euro (ermäßigt) statt 20 Euro bzw. 15 Euro (ermäßigt) an der Tageskasse.

  • Zuletzt aktualisiert: 17. March 2017 19:20 PM

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